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Mexiko und der 2. Oktober 1968

Zehn Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Mexiko-Stadt, am 2.10.1968, griff auf Befehl der Regierung die mexikanische Armee mit Panzern und Scharfschützen eine studentische Demonstration an, die sich auf dem «Platz der Drei Kulturen» versammelt hatte. Bis heute ist unklar, wie viel hunderte Tote es dabei gegeben hat. Durch das staatliche Massaker fand die mexikanische 68er Bewegung ein abruptes Ende. Danach verstärkte sich die staatliche Repression gegenüber Aktivist/innen noch und mündete schließlich in einen «Krieg niedriger Intensität» gegenüber Oppositionellen und der Bevölkerung insgesamt. Wie in anderen lateinamerikanischen Ländern auch, wurden ab den 1970er Jahren Aktivist/innen unrechtmäßig eingekerkert, ge­foltert oder gewaltsam verschwunden.
Lange war das Massaker vom 2.10.1968 ein Tabu. Die Ge­heimdienstakten wurden unter dem Deckel gehalten und die politisch Verantwortlichen sind bis heute nicht belangt worden.

Die Referentin Ana Ignacia Rodríguez «La Nacha»

Ana Ignacia Rodríguez «La Nacha» (*1944) war studentische Aktivistin der 68er-Bewegung in Mexiko-Stadt und wurde deshalb inhaftiert. Als Überlebende des Massakers vom 2. Oktober und als ehemalige politische Gefangene thematisiert sie als Zeitzeugin und Mitglied des Comité 68– einem 1978 begründeten Zusammenschluss von 68er-Akti­vistInnen, die Straflosigkeit der Täter und die bis heute an­dauernden staatlichen Menschenrechtsverletzungen in Me­xiko. Mit ihrer aktuellen Rundreise auf Einladung von Am­nesty International und dem Verein Grenzenlos e.V. verfolgt sie das Ziel, über die Situation der anhaltenden Straffreiheit der Täter und kontinuierlichen staatlichen Menschenrechts­verletzungen zu informieren. Nacha wird in einem kurzen Vortrag über die strafrechtliche Verfolgung der Verantwort­lichen der staatlichen Massaker von 1968 und 1971, sowie der Verantwortlichen für die Politik des «schmutzigen Krie­ges» und aktuelle Menschenrechtsverletzungen sprechen und des Weiteren den Film «Cementerio de Papel» vorstellen, in dem sie selber in einer kleinen Rolle mitwirkte.

Trailer von «Cementerio de Papel» (Friedhof der Papiere)